Wu Wei

Der Weise handelt nicht, und so scheitert er nie- er klammert sich an nichts, und so verliert er nie... Wir übrigen jedoch erscheinen unser Leben gerade dann zu verwirren, wenn wir uns auf dem Weg zum Erfolg wähnen Darum will der Weise nichts für sich selbst, begehrt weder Besitz noch Kostbarkeiten. Was für ein Mensch er ist? Einer, der lernt, was nicht zu wissen ist. Fehler wie wir anderen macht er dann nicht. Er hilft uns vielmehr, uns selbst treu zu bleiben, ohne uns jemals im Wege zu stehen. So sagt der Weise: Handle durch Wu Wei, durch Nichthandeln. Vollbringe alles, ohne etwas vollbringen zu wollen - genieße den Geschmack, der nicht zu schmecken ist. Aus Kleinem mache Großes, aus Wenigem viel - Nimm dich der großen Dinge an, solange sie noch klein sind; beginne das Schwierigste, solange es noch leicht ist. Es sind immer die Menschen, welche glauben, die Dinge seien leicht, denen sie am Ende immer schwerer werden. Der Weise ist sich bewußt, daß alles schwierig sein kann, deshalb bringt ihn nichts aus der Ruhe. (Laotse, Tao Te King)

Einer der schwierigsten Begriffe des Daoismus ist das Wu Wei, das Handeln durch Nichthandeln.
Was ist denn nun damit gemeint? Sicher ist nicht das Nichthandeln so zu sehen, daß wir nun garnichts mehr machen sollen.
Vielmehr ist gemeint, wir sollen uns im rechten Handeln üben.
Eine der großten Vorteile des Menschen in Zusammenhang mit der Natur ist seine Intelligenz und sein Verstand, der uns allerdings auch oft im Weg steht.
Wir benutzen unseren Verstand nicht nur zum Nachdenken über unsere Probleme,
wir sammeln Fakten aus unserer Vergangenheit, machen uns Gedanken über unsere Ziele, die wir erreichen wollen
und verpassen dabei den einzigen Moment, der zählt, das Jetzt.
Handeln durch Nichthandeln meint, wir sollen darauf vertrauen, daß wir im Kontakt zum Dao stehen und uns damit eine Kraft zur Verfügung steht,
die viel größer als unsere Kraft ist und die viel besser weiß, was gut und was schlecht für uns ist.
Wir sollen in uns hineinhorchen, auf unser Gefühl vertrauen und damit das Richtige tun.

 

Yin und Yang im Gleichgewicht
Die Begriffe Yin und Yang tauchen immer wieder auf, führen aber auch immer wieder zu Missverständnissen.
Yin ist das weibliche Prinzip, es ist passiv und aufnehmend.
Yang ist das männliche Prinzip, es ist aktiv und handelnd.

Jeder von uns hat sowohl männliche als auch weibliche Anteile und Harmonie entsteht dann, wenn sich beide Aspekte im Gleichgewicht befinden.

Wenn wir uns nun das Taiji-Symbol ansehen, dann sehen wir, das sich immer auch ein Funken Yin im Yang befindet und umgekehrt. Jedes Extrem kippt in sein Gegenteil um, extremes Yin wird zu Yang und umgekehrt.

Nimm einen Hasen, der bedroht wird, von einem Fuchs. Der Fuchs ist Yang und greift aggressiv an, der Hase als Fluchttier ist Yin. Aber wenn der Hase in die Ecke gedrängt wird, so wird er auch Yang und sich aktiv wehren, sein Yin ist umgeschlagen in Yang, und das kann so massiv sein, das der Fuchs Yin wird und seinerseits die Flucht ergreift.

Unser Leben verläuft dann harmonisch, wenn sich Yin und Yang abwechseln, in gleichem Maße. Zeiten des Handelns und Zeiten der Ruhe. Wer nie eine Pause macht, klappt bald zusammen und ist nur noch passiv, wer nur passiv ist, wird bald merken, das aktives Handeln zum überleben notwendig ist.

Auch von Außen begegnet uns diese Kraft und bedrängt uns, und in der nächsten Phase gibt die Gelegenheit für uns zu handeln.

Wenn mich das Leben bedrängt, zu Entscheidungen zwingen will, kann ich natürlich dagegen halten und alles, wogegen ich kämpfe, verstärke ich. Genauso wenig dienlich ist es, Phasen, in denen ich handeln kann, ungenutzt verstreichen zu lassen.

Ich verhalte mich dann klug, wenn ich auf die äußeren Einflüsse eingehe und mit ihnen schwinge. Kommt eine Yang-Phase auf mich zu, passe ich mich dem an, und werde Yin, ich biete keinen Angriffspunkt und lasse die auf mich zukommende Kraft ins Leere laufen. Da ein extremes Yang umkippen muss in extremes Yin, werde ich dann Yang, wenn dies geschieht und ich meine Chance bekomme. Ich kann dann mit meinem Yang den Schwung des Yin ausnutzen, strenge mich kaum an und erreiche mit Leichtigkeit mein Ziel.


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