Die Philosophie des Taijiquan

 

Vielfach ist zu lesen, Taijiquan sei eine jahrtausendalte Bewegungs- und Kampfkunst, was sich ja erstmal sehr toll anhört. Viele Quellen berufen sich auf einen daoistischen Mönch mit Namen Yang Sang Fen, der angeblich das Taijiquan als Kampfkunst entwickelt hat, nachdem er den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange beobachtet hatte. Ungeachtet der Tatsache, daß ein daoistischer Mönch sich eher von der Welt in die Berge zurückgezogen hat als sich auf das Entwickeln einer Kampfkunst, ist diese Geschichte historisch nicht bewiesen. Aber man weiß auch nie, was an den alten chinesichen Legenden wahr ist.

Historisch bewiesen ist der Ursprung des Taijiquan basierend auf einem General Chen Wangting, der sich nach dem Ende der Ming-Dynastie in das Dorf seiner Familie, Chenjiagou, zurückzog und hier das Taijiquan entwickelte.

Der General war ein erprobter Kämpfer, hatte aber durch den Dynastiewechsel alle seine Ämter und Ehrungen verloren und erkannte so die Wertlosigkeit weltlicher Auszeichnungen und Ruhms. Er studierte den Daoismus, Tuna (Atemtechniken des Qigong) und erfand ein System, in dem Bewegungen der Kampfkunst mit dem Energieübungen des Qigong verschmolzen und die den Regeln des Daoismus und der chineschen Medizin gehorchten. Dies besagt nichts anderes, als daß man die Natur der Dinge beobachtet und sich der Gesetzmäßigkeit der Natur fügt und nicht gegen diese arbeitet.

General Chen Wangting kreierte sieben Formen und diese wurden über mehrere Generationen so weitergegeben und weiterentwickelt, bis Chen Changxing diese zu zwei Formen zusammenfaßte. Dieser besagte Chen Changxing unterrichtete auch einen Schüler, der ursprünglich Dienstbote war, sich aber aufgrund seines besonderen Könnens auszeichnete. Dies war Yang Luchan, der als erstes Taijiquan öffentlich unterrichtete und damit auch seinen Lebensunterhalt bestritt. Er gilt als Begründer des Yang-Stils, der heute in einer veränderten Form die meistverbereitete Taiji-Form ist.

Das große Problem im Yang-Stil entstant im Rahmen der Kulturrevolution in China, da die Regierung dort ursprünglich alles traditionellen Künste und auch die chinesische Medizin und alle klassischen Philosophien verbot. Man wollte sich komplett an dem modernen Westen orientieren, merkte aber schon bald, daß mit den Methoden der westlichen Medizin dieses Riesenvolk nicht ausreichend versorgt werden konnte und damit auch nicht gesund erhalten werden konnte. Man stellte ein Komitee einiger traditioneller Meister zusammen und ließ sie eine Form des Taijiquan entwickeln, der viele Elemente des klassischen Taijiquan fehlten. Da das ursprüngliche Taiji als Kampfkunst vor allem auch die Personlichkeit des Übenden stärkte, war dies natürlich in dem dortigen politischen System nicht erwünscht, man wollte Mitläufer und keine Mitdenker. So üben heute noch viele Millionen Chinesen jeden Morgen ein Gesundheitssystem, was nicht mehr viel von dem ursprünglichen System des Taijiquan beinhaltet.

Aber man darf auch nicht verkennen, daß die chinesische Regierung mittlerweile sehr wohl den Wert ihrer alten Kulturen erkannt hat und diese nun auch fördert. Man ist sich sehr wohl der Kräfte der Traditionellen Chinesichen Medizin bewußt und schickt zum Beispiel die Shaolin Mönche auf Welttourneen, um die eigene Kultur bekanntet zu machen. Ganz nebenbei basieren die unglaublichen Kräfte und Möglichkeiten dieser Mönch auf denselben Prinzipien wie das Taijiquan, nur das die Mönche die Kampfkunst und das Qigong getrennt voneinander üben, wozu sie aber auch sehr viel Zeit aufwenden können.

Gleichwohl Taijiquan auch heute noch als Kampfkunst betrieben werden kann, sind die gesundheitlichen Vorteile unbestritten.

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