Über das Glück


Es war einmal ein armer, alter Mann in einem kleinen Dorf, dem war im Frühling sein einziges Pferd weggelaufen. Der reiche Nachbar kam zu ihm und sprach: "So ein Unglück, das tut mir aber leid." Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: "Ob es ein Unglück ist? Das weiß man nicht."


Im Sommer kam das Pferd auf einmal zurück. Nicht allein, sondern in Begleitung von einem Dutzend wilder Pferde.
Der reiche Mann kam und gratulierte dem alten Mann zu seinem unverhofften Glück. Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: "Ob es ein Glück ist? Das weiß man nicht."


Es war im Herbst, als der Sohn des alten Mannes auf die Idee kam, das wildeste der wilden Pferde für sich zuzureiten. Da passierte es: Das Pferd bäumte sich auf, der Sohn fiel aus dem Sattel - und brach sich sämtliche Knochen. Der reiche Nachbar hatte den Vorfall beobachtet und sprach: "So ein Unglück, das tut mir aber leid." Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: "Ob es ein Unglück ist? Das weiß man nicht."


Im Winter gab es plötzlich Krieg. Alle jungen Männer mußten an die Front. Aber der Sohn des alten Mannes durfte zu Hause bleiben. Seine Knochen waren noch nicht richtig verheilt und ein Arm war steif geblieben.
Der Sohn des reichen Mannes aber mußte in den Krieg ziehen. "Da hast Du aber Schwein gehabt", sagte der reiche Nachbar. Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: "Ob es ein Glück ist? Das weiß man nicht".

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